Schon seit vielen Jahren fordern die Bewohner Venedigs ein Fahrverbot für große Kreuzfahrtschiffe in der Lagunenstadt – und ihre Proteste wurden zuletzt immer lauter. Nun hat die italie­ni­sche Regierung eine Lösung für das Problem verkündet.

Dass die Ozeanriesen nicht mehr durch den Giudecca-Kanal – und damit an der Altstadt und am Markusplatz vorbei – zum Kreuzfahrtterminal fahren, wollen eigent­lich fast alle. Das italie­ni­sche Umweltministerium hatte im Jahr 2014 auch schon ein entspre­chendes Verbot ausge­spro­chen, das dann aber von einem Gericht wieder aufge­hoben wurden. Im Juli 2016 schal­tete sich schließ­lich sogar die UNESCO ein und drohte mit dem Verlust des Weltkulturerbe-Status.

Carnival Liberty in Venedig (c) Carnival Cruise Line

Als Ersatz für die Route quer durch Venedig wurden in den Diskussionen immer wieder zwei Alternativen genannt: ein neuer Kreuzfahrtterminal außer­halb der Lagune oder das Ausbaggern einer neuen Fahrrinne, die an der Stadt vorbei quer durch die Lagune zum Kreuzfahrtterminal geführt hätte.

Beides wäre aller­dings ziem­lich teuer geworden und wurde nun von der italie­ni­schen Regierung auch vom Tisch gewischt. Stattdessen sollen alle Kreuzfahrtschiffe, die größer als 55.000 BRZ sind, künftig auf der bereits bestehenden Fahrrinne für die Fracht- und Container-Schiffe zum Industriehafen von Marghera fahren. Diese führt zwar durch die Lagune, verläuft aber nahe am Festland – und damit weit weg von Venedig.

Carnival Magic in Venedig (c) Carnival Cruise Line

In Marghera gibt es aller­dings keinerlei Infrastruktur für Kreuzfahrtschiffe – und bis diese geschaffen ist, dürfte es einige Zeit dauern. Detaillierte Pläne müssen erst ausge­ar­beitet werden und was eine provi­so­ri­sche Lösung in der Zwischenzeit leisten könnte, ist noch unklar. Zudem braucht es ein Konzept, wie die Fracht- und Kreuzschiffe gemeinsam und konflikt­frei den vorhan­denen Kanal nach Marghera nutzen können.

Verkehrsminister Graziano Delrio bleibt daher auch vorsichtig: „Spätestens in drei bis vier Jahren“ sollen nur noch klei­nere Schiffe direkt in Venedig anlegen, meinte er anläss­lich der Bekanntgabe des Regierungsbeschlusses, der für die Umsetzung der Pläne ein Budget von 70 Millionen Euro bereit­ge­stellt hat.

Die Protestbewegung „No Grandi Navi“, in der sich viele Gegner der Kreuzfahrtschiffe in Venedig gesam­melt haben, und die Partei „Movimento 5 Stelle“ des Komikers Beppo Grillo haben sich jeden­falls bereits gegen die geplante Lösung ausge­spro­chen. Sie fordern nach wie vor, dass die Kreuzfahrtschiffe aus der gesamten Lagune verbannt werden.