In der Win­ter­saison 2019/​20 wird kein Schiff von Car­nival Cruise Line auf der Kari­bik­insel Antigua anlegen: Die US-ame­ri­ka­ni­sche Ree­derei hat völlig über­ra­schend alle geplanten Besuche der Car­nival Breeze, Car­nival Magic, Car­nival Legend und Car­nival Pride ab November 2019 abge­sagt.

Die betrof­fenen Kunden hat Car­nival Cruise Line bereits über die geän­derten Routen infor­miert: Statt Antigua werden ent­weder Tor­tola auf den Bri­tish Virgin Islands oder St. Kitts ange­laufen. Wer einen Land­aus­flug auf Antigua über die Ree­derei gebucht hat, erhält sein Geld zurück.

Antigua (c) pixabay

Mitt­ler­weile haben sich mit Hol­land Ame­rica Line und Sea­bourn zwei wei­tere Töchter der Car­nival Cor­po­ra­tion dem Boy­kott ange­schlossen und ihre für 2019/​20 geplanten Stopps auf Antigua eben­falls abge­sagt. Dabei geht es um ins­ge­samt 14 Anläufe der MS Volendam, MS Koningsdam und Sea­bourn Odyssey. Ob auch die Kon­zern­schwes­tern Princess Cruises, AIDA Cruises, Costa Cro­ciere und P&O Cruises dem Bei­spiel folgen, bleibt abzu­warten, ist aber nicht unwahr­schein­lich.

In einer offi­zi­ellen Stel­lung­nahme, die dem ame­ri­ka­ni­schen Kreuz­fahrt-Portal Cruise Hive vor­liegt, begründet Car­nival Cruise Line den Schritt mit einer geplanten Erhö­hung der Hafen­ge­bühren, durch die Antigua künftig nicht mehr wett­be­werbs­fähig sei.

Dar­über hinaus zeige die jüngste Rhe­torik der Regie­rung, dass sie „keine Kreuz­fahrt­schiffe und deren Gäste“ auf der Insel wün­sche und ganz klar die „posi­tiven wirt­schaft­li­chen Aus­wir­kungen der Kreuz­fahrt-Indus­trie igno­riere“. Car­nival habe enge Bezie­hungen zu vielen kari­bi­schen Län­dern auf­ge­baut und würde „ein­deutig die unter­stützen, die uns unter­stützen“. Daher wolle man die Rei­se­routen „vor­erst auf die ein­la­den­deren Rei­se­ziele kon­zen­trieren“.

Antigua (c) travel by tropf

Tat­säch­lich hatte der Pre­mier­mi­nister von Antigua & Bar­buda, Gaston Browne, laut den lokalen Medien vor zwei Wochen die Flo­rida Carib­bean Cruise Asso­cia­tion (FCCA) der „Aus­beu­tung der Region“ beschul­digt. Die großen Ree­de­reien würden von den Pas­sa­gieren „Tau­sende von US-Dollar“ für die Reisen in die Karibik kas­sieren, aber davon „nur fünf oder sechs US-Dollar pro Kopf“ an die Inseln abgeben.

Das sei zu wenig, um die Kosten für die nötige Infra­struktur abzu­de­cken, meinte Browne. Kleine Länder wie Antigua hätten nur eine Chance, wenn sie eben­falls eine Ver­ei­ni­gung gründen und so der mäch­tigen FCCA gemeinsam gegen­über treten. Auf diese mutigen und durchaus berech­tigten Worte hat er nun offenbar von Car­nival die Ant­wort erhalten.

Die kri­ti­sierte Erhö­hung der Gebühren dürfte mit einer Ver­ein­ba­rung zum Ausbau des Hafens zusam­men­hängen, welche die Regie­rung von Antigua & Bar­buda soeben mit der in London ansäs­sigen Global Ports Hol­ding geschlossen hat. Nach der Erwei­te­rung sollen auch die wesent­lich grö­ßeren Schiffe der Oasis-Klasse von Royal Carib­bean hier anlegen können.

Durch den Rückzug von Car­nival dürfte Antigua jeden­falls meh­rere Mil­lionen US-Dollar ver­lieren. Neben den gerin­geren Ein­nahmen aus den Hafen­ge­bühren müssen auch die Ver­an­stalter von Aus­flügen, die Geschäfte im und rund um den Hafen und die Taxi­fahrer mit erheb­li­chen Ein­bußen rechnen. Für Car­nival hin­gegen bleibt der Schaden mit ein paar frus­trierten Kunden relativ über­schaubar.