Freedom of the Seas (c) Royal Caribbean International

Neuartige Covid-19-Tests beflügeln die Aktienkurse der US-Reedereien

Wer Ak­tien der gro­ßen US-Kreuz­fahrt­un­ter­neh­men be­sitzt, durfte sich in den letz­ten Ta­gen über un­er­war­tete Kurs­ge­winne freuen: Die Ak­tie von Royal Ca­rib­bean Group legte al­lein am Frei­tag um 5,29 Pro­zent zu und die Ak­tie der Car­ni­val Cor­po­ra­tion um 5,8 Pro­zent. Aus­lö­ser dürfte ein neu­ar­ti­ges Co­vid-19-Test­ver­fah­ren sein.

Was war ge­sche­hen? Das US-Un­ter­neh­men Ab­bott La­bo­ra­to­ries hatte am Don­ners­tag ei­nen „schnel­len, be­nut­zer­freund­li­chen Co­vid-19-Test“ vor­ge­stellt, für den be­reits eine Not­fall­zu­las­sung durch die US-ame­ri­ka­ni­sche Food & Drug Ad­mi­nis­tra­tion (FDA) vor­liegt. Der Test be­inhal­tet le­dig­lich ei­nen Na­sen­tup­fer und lie­fert das Er­geb­nis ohne spe­zi­elle Aus­rüs­tung in 15 Mi­nu­ten. Zu­dem lie­gen die Kos­ten pro Test bei nur fünf US-Dol­lar.

Pool­deck /​ Mein Schiff 2 (c) TUI Crui­ses

Die Ana­lys­ten der Wall Street se­hen in die­ser neuen Ent­wick­lung of­fen­bar den Schlüs­sel für ei­nen er­folg­rei­chen Neu­start der Bran­che. Denn in den letz­ten Wo­chen hatte sich ge­zeigt, dass Kreuz­fahr­ten ohne ver­pflich­tende Tests für die Pas­sa­giere wäh­rend der Co­rona-Krise wohl kaum eine Chance ha­ben wer­den. Zu­letzt hatte auch Mi­chael Bay­ley, CEO von Royal Ca­rib­bean In­ter­na­tio­nal, er­klärt, es sei „sehr wahr­schein­lich, dass Tests statt­fin­den wer­den.“

MSC Crui­ses tes­tet auf sei­nen Mit­tel­meer-Kreuz­fahr­ten schon jetzt alle Pas­sa­giere vor der Ein­schif­fung, setzt da­bei aber nur auf An­ti­gen-Tests. Das Pro­blem: Sie lie­fern zwar in­ner­halb ei­ner Stunde ein Er­geb­nis, gel­ten aber nicht als so zu­ver­läs­sig wie ein PCR-Test. Ex­per­ten sa­gen, dass po­si­tive Test-Er­geb­nisse fast im­mer stim­men, emp­feh­len aber bei ne­ga­ti­ven Test-Er­geb­nis­sen ei­nen zu­sätz­li­chen PCR-Test.

(c) MSC Crui­ses

MSC Crui­ses macht es aber ge­nau um­ge­kehrt: Nur po­si­tive Test-Er­geb­nisse wer­den durch PCR-Tests über­püft, ne­ga­tive hin­ge­gen nicht, weil das im Rah­men der Ein­schif­fung zeit­lich schlicht­weg nicht mach­bar ist. Auch Costa Cro­ciere hat An­ti­gen-Tests für sei­nen Neu­start im Sep­tem­ber an­ge­kün­digt und hat so­mit das selbe Pro­blem. TUI Crui­ses ver­sucht es des­halb lie­ber mit PCR-Tests – auch weil die An­ti­gen-Tests in Deutsch­land noch nicht zu­ge­las­sen sind. Die Gäste müs­sen sich für die PCR-Tests aber Tage vor­her in eine von 86 He­lios-Kli­ni­ken in Deutsch­land be­ge­ben, was letz­lich auch keine Lö­sung dar­stellt.

Laut Ab­bott La­bo­ra­to­ries er­hal­ten rund 2,9 Pro­zent der Pa­ti­en­ten, die den Test durch­füh­ren, ein fal­sches ne­ga­ti­ves Er­geb­nis, wenn sie tat­säch­lich in­fi­ziert sind. An­de­rer­seits er­hal­ten rund 1,5% der nicht in­fi­zier­ten Per­so­nen ein fal­sches po­si­ti­ves Er­geb­nis. Ob­wohl das Ver­fah­ren da­mit noch nicht die Zu­ver­läs­sig­keit ei­nes PCR-Tests er­reicht, will das Un­ter­nehme die Test-Kits in zwei neuen US-Wer­ken in gro­ßem Maß­stab her­stel­len.

Der Ver­sand soll im Sep­tem­ber be­gin­nen und im Ok­to­ber be­reits 50 Mil­lio­nen Tests pro Mo­nat er­rei­chen. Dazu hat Ab­bott eine ei­gene App na­mens „NAVICA“ für iPhone- und An­droid-Ge­räte ent­wi­ckelt, die nach ei­nem ne­ga­ti­ven Test­ergeb­nis als eine Art „di­gi­ta­ler Ge­sund­heits­pass“ dient. Die­sen könn­ten Kreuz­fahrt­un­ter­neh­men theo­re­tisch als Vor­aus­set­zung für die Ein­schif­fung ver­lan­gen. Chi­ne­si­sche und ös­ter­rei­chi­sche For­scher ar­bei­ten üb­ri­gens an ähn­li­chen Co­vid-19-Test­ver­fah­ren, hof­fen aber auf eine hö­here Ge­nau­ig­keit. Man darf ge­spannt sein…