Amsterdam plant Verbot von Kreuzfahrtschiffen in der Stadt

Nach­dem man sich zu­nächst dar­auf ge­ei­nigt hatte, die An­zahl der Kreuz­fahrt­schiffe im Zen­trum von Ams­ter­dam zu be­gren­zen und sie dann dort­hin zu ver­le­gen, er­klä­ren Mit­glie­der der Ams­ter­da­mer Ko­ali­ti­ons­re­gie­rung nun, es wäre kos­ten­güns­ti­ger, ein kom­plet­tes Ver­bot von Kreuz­fahrt­schif­fen in der Stadt aus­zu­spre­chen.

Am 21. Jän­ner leg­ten Mit­glie­der der Ko­ali­ti­ons­re­gie­rung von Ams­ter­dam ei­nen Plan vor, alle Ha­fen­an­läufe von Hoch­see­kreuz­fahrt­schif­fen bis 2035 schritt­weise ein­zu­stel­len und gleich­zei­tig eine re­du­zierte An­zahl von Fluss­kreuz­fahrt­schif­fen bei­zu­be­hal­ten.

Nor­we­gian Prima im Ha­fen von Ams­ter­dam (c) tra­vel by tropf

Die Sor­gen um Um­welt­ver­schmut­zung und Über­tou­ris­mus wach­sen in Ams­ter­dam seit fast ei­nem Jahr­zehnt. Kreuz­fahrt­schiffe lie­gen üb­li­cher­weise im Her­zen der Stadt, was sie, wie Bran­chen­ver­tre­ter be­to­nen, zu ei­nem ver­stärk­ten Ziel von Kri­tik macht. Um­welt­ak­ti­vis­ten und nun auch Stadt­räte der Ko­ali­ti­ons­re­gie­rung ar­gu­men­tie­ren, dass große Kreuz­fahrt­schiffe stark um­welt­be­las­tend sind und große Men­gen an CO₂, Fein­staub und Stick­stoff aus­sto­ßen. Da­bei wer­den die EU-Vor­schrif­ten für schwe­fel­arme Kraft­stoffe und die weit­ver­brei­tete Ein­füh­rung von Ab­gas­rei­ni­gungs­an­la­gen in der Kreuz­fahrt­in­dus­trie be­reits vor den EU-Vor­schrif­ten, die ab 2030 die Nut­zung von Land­strom in den wich­tigs­ten Hä­fen der EU vor­schrei­ben, au­ßer Acht ge­las­sen.

Die Be­stre­bun­gen, Kreuz­fahrt­schiffe in Ams­ter­dam zu ver­bie­ten, ge­wan­nen 2023 und 2024 an Dy­na­mik und führ­ten zu ei­nem Lö­sungs­vor­schlag. Die Ver­ein­ba­rung sah vor, die An­zahl der Kreuz­fahrt­schiffe ab 2026 auf ein Schiff pro Tag und die An­zahl der Ha­fen­an­läufe von Hoch­see­kreuz­fahrt­schif­fen auf ma­xi­mal 100 pro Jahr zu be­schrän­ken. Ab 2027 soll­ten Kreuz­fahrt­schiffe auch ver­pflich­tet wer­den, Land­strom zu nut­zen.

Ha­fen von Ams­ter­dam (c) tra­vel by tropf

Die Stadt­ver­wal­tung be­schloss au­ßer­dem, die An­läufe von Fluss­kreuz­fahrt­schif­fen zu re­du­zie­ren, aber nicht voll­stän­dig ab­zu­schaf­fen. Dar­über hin­aus ver­ein­barte sie, die Mach­bar­keit ei­ner Ver­le­gung des Kreuz­fahrt­ter­mi­nals am Pas­sa­gier­ter­mi­nal Ams­ter­dam von sei­nem der­zei­ti­gen Stand­ort in den Os­ten der Stadt bis 2035 zu prü­fen. Der Stadt­rat hat sei­nen Ab­schluss­be­richt noch nicht ver­öf­fent­licht, doch Stadt­räte äu­ßern sich be­reits kri­tisch und be­haup­ten, die Stu­die zeige, dass ein voll­stän­di­ges Ver­bot von Kreuz­fahrt­schif­fen ef­fek­ti­ver sei. Laut Me­di­en­be­rich­ten gab ein Stadt­rat an, die Kos­ten für die Ver­le­gung des Kreuz­fahrt­ter­mi­nals wür­den sich auf 85 Mil­lio­nen Euro be­lau­fen, ohne Ga­ran­tie auf eine Amor­ti­sa­tion der In­ves­ti­tion. Dem­ge­gen­über, so die Ex­per­ten, wer­den Kreuz­fahrt­schiffe in den nächs­ten 30 Jah­ren nur 46 Mil­lio­nen Euro zum Wirt­schafts­wachs­tum bei­tra­gen.

Die Ko­ali­ti­ons­re­gie­rung treibt ih­ren Plan zur Ab­schaf­fung der Kreuz­fahrt­schiffe voran, die end­gül­tige Ent­schei­dung muss je­doch vom Stadt­rat ge­trof­fen wer­den. Au­ßer­dem wird im März in Ams­ter­dam zur Wahl der neuen Re­gie­rung auf­ge­ru­fen, so­dass sämt­li­che Maß­nah­men von der neuen Re­gie­rung be­schlos­sen wer­den müs­sen.

Kri­ti­ker ar­gu­men­tier­ten in der Ver­gan­gen­heit, dass an­dere Hä­fen, ins­be­son­dere Rot­ter­dam, die Kreuz­fahrt­schiffe statt­des­sen ab­fer­ti­gen könn­ten. Ei­nige Ree­de­reien nut­zen Rot­ter­dam be­reits und bie­ten ih­ren Pas­sa­gie­ren Bus­aus­flüge nach Ams­ter­dam an.

Ams­ter­dam (c) pix­a­bay

Ams­ter­dam würde sich da­mit an­de­ren eu­ro­päi­schen Städ­ten an­schlie­ßen, die Maß­nah­men er­grif­fen ha­ben, um die Aus­wir­kun­gen von Kreuz­fahrt­schif­fen zu re­du­zie­ren. Auch Bar­ce­lona plant, die An­zahl der Kreuz­fahrt­an­läufe zu be­gren­zen, wäh­rend die Côte d’Azur Be­schrän­kun­gen so­wohl für die Größe der Kreuz­fahrt­schiffe als auch für die An­zahl der jähr­li­chen Ha­fen­an­läufe ein­ge­führt hat. An­dere Rei­se­ziele, wie die grie­chi­schen In­seln, ha­ben neue Pas­sa­gier­steu­ern ein­ge­führt, um den Be­su­cher­an­sturm auf die be­lieb­ten In­seln bes­ser be­wäl­ti­gen zu kön­nen.

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