Die Pläne von Royal Caribbean für einen neuen Kreuzfahrthafen nahe Rom haben einen schweren Rückschlag erlitten. Ein italienisches Gericht hat die für das 600-Millionen-Euro-Projekt erforderliche Umweltgenehmigung aufgehoben. Damit ruht der Baubeginn, bis die Projektentwickler ein neues Genehmigungsverfahren abgeschlossen haben.
Der geplante Hafen in Fiumicino nahe dem nach Leonardo da Vinci benannten internationalen Flughafen Rom-Fiumicino würde Kreuzfahrtpassagieren ermöglichen, deutlich näher am Flughafen an Bord zu gehen als am derzeitigen Kreuzfahrthafen Civitavecchia, der etwa eine Stunde entfernt liegt.
Das von der Royal Caribbean Group unterstützte Projekt wird von Fiumicino Waterfront entwickelt und umfasst ein neues Kreuzfahrtterminal, einen Yachthafen mit über 1.200 Liegeplätzen für Sportboote, Gewerbeflächen, Restaurants, ein Hotel, Geschäfte, öffentliche Uferpromenaden und weitere Infrastruktur. Wie das Internetportal cruisehive berichtet, urteilten Richtert am 3. Juli 2026, dass das Projekt falsch eingestuft wurde. Da das Kreuzfahrtterminal einen wesentlichen Bestandteil des Projekts darstellt, hätte es als Handelshafen und nicht als touristischer Yachthafen geprüft werden müssen.
Aufgrund dieser Entscheidung hob das Gericht die vom italienischen Ministerium für Umwelt und Energiesicherheit erteilte Umweltgenehmigung auf. Ohne diese Genehmigung kann der Bau nicht fortgesetzt werden.
Das Urteil stoppt zwar nicht das Projekt selbst, die Bauträger müssen jedoch neue Genehmigungen einholen, bevor mit dem Bau begonnen werden kann. In einer Stellungnahme gegenüber italienischen Medien erklärte Galliano Di Marco, CEO von Fiumicino Waterfront, dass man gegen die Entscheidung Berufung einlegen werde. Die Klage wurde von 18 Anwohnern und mehreren Umweltorganisationen eingereicht, die argumentierten, das Projekt sei zu groß und hätte einer umfassenderen Umweltverträglichkeitsprüfung unterzogen werden müssen.
Die Pläne für das neue Hafenviertel in Fiumicino sehen einen Kreuzfahrtanleger, einen Yachthafen, ein Hotel, Restaurants, Geschäfte, öffentliche Grünflächen und einen großen Uferpark vor. Auch das ehemalige Leuchtturmgebiet von Isola Sacra, südlich des internationalen Flughafens von Rom, soll neu gestaltet werden. Laut den Projektentwicklern wird das Terminal voraussichtlich über eine Million Passagiere pro Jahr abfertigen können. Der eigene Anleger bietet Platz für jeweils ein großes Kreuzfahrtschiff. Der Hafen wird rund 200 Tage im Jahr als Heimathafen dienen, sodass Passagiere ihre Mittelmeerkreuzfahrten deutlich näher am Flughafen Rom beginnen und beenden können.
Heute fliegen die meisten Passagiere, die von oder nach Rom reisen, zum internationalen Flughafen Leonardo da Vinci und fahren von dort etwa eine Stunde zum Hafen von Civitavecchia. Ein Terminal in Fiumicino würde diesen Transfer verkürzen und es den Passagieren ermöglichen, ihr Schiff innerhalb weniger Minuten nach Verlassen des Flughafens zu erreichen.
Laut Projektplänen sollen durch das Projekt Tausende von Arbeitsplätzen geschaffen, die lokale Infrastruktur verbessert und die steigende Nachfrage nach Kreuzfahrt- und Yachtanlagen im Mittelmeer gedeckt werden. Geplant ist außerdem, dass Schiffe im Hafen an Landstrom angeschlossen werden können, wodurch der Betrieb der Bordmotoren reduziert wird. Kritiker befürchten jedoch, dass das Projekt einen der letzten unberührten Küstenabschnitte nahe Rom dauerhaft verändern wird. Umweltorganisationen äußern Bedenken hinsichtlich der Ausbaggerung, neuer Wellenbrecher, der Auswirkungen auf geschützte Vogelhabitate und der traditionellen, auf Stelzen gebauten Fischerhütten aus Holz, die seit Langem das Landschaftsbild prägen.
Das jüngste Urteil in Italien stellt den zweiten schweren Rückschlag in diesem Jahr für eines der prestigeträchtigen Infrastrukturprojekte von Royal Caribbean dar. Im Mai lehnte das mexikanische Umweltministerium die Umweltgenehmigung des Unternehmens für das geplante Privatresort Perfect Day Mexico in Mahahual ab. Obwohl die beiden Projekte unterschiedliche rechtliche Probleme betreffen, sind beide aufgrund von Umweltbedenken ins Stocken geraten.


