Im Mittelmeer war eine Such- und Rettungsaktion eingeleitet worden, nachdem ein Mann-über-Bord-Vorfall auf der Odyssey of the Seas von Royal Caribbean gemeldet worden war. Eine 44-jährige Frau aus El Salvador war am 9. Oktober von dem Kreuzfahrtschiff über Bord gegangen.
Der Vorfall ereignete sich, während sich das für 4.200 Passagiere ausgelegte Schiff auf der Fahrt von der griechischen Insel Mykonos zu seinem nächsten planmäßigen Hafen, Neapel in Italien befand. Berichten von Passagieren zufolge ereignete sich der Vorfall am Freitag in den frühen Morgenstunden. Die Besatzung wertete später Aufnahmen der Überwachungskameras aus, die bestätigten, dass die Frau über Bord gegangen beziehungsweise, nachdem sie sich einen Rettungsring genommen habe, gesprungen war. Da dies jedoch erst etwa vier Stunden nach dem Vorfall geschah, gestaltete sich die Suche umso schwieriger.
Wie aus lokalen Medienberichten hervorgeht, nahm die Geschichte einen unglaublichen und geradezu wunderbaren Verlauf, als die vermisste Passagierin in den frühen Morgenstunden des Samstags entdeckt und lebend gerettet wurde. Nachdem die Odyssey of the Seas ihr Suchraster abgefahren hatte und ihren Kurs in Richtung Italien wieder aufgenommen hatte, wurden die Suchmaßnahmen durch örtliche griechische Behörden und in der Nähe befindliche Handelsschiffe fortgesetzt. Gegen 02:30 Uhr Ortszeit entdeckte ein vorbeifahrendes Frachtschiff unter der Flagge Madeiras die Frau, die etwa 70 Seemeilen südwestlich von Zakynthos im offenen Wasser trieb. Die vermisste Passagierin der Odyssey of the Seas wurde lebend und bei Bewusstsein aufgefunden.
Das Frachtschiff alarmierte die Rettungskräfte und barg die Frau aus dem Wasser, bevor sie an ein Schiff der griechischen Küstenwache übergeben wurde, das sie in den Hafen von Katakolon brachte. Sie wurde daraufhin in stabilem Zustand, wenngleich unterkühlt, in ein örtliches Krankenhaus transferiert.
Ersten Schätzungen zufolge könnte die Frau 19 bis 20 Stunden im Wasser verbracht haben. Dass jemand fast einen ganzen Tag lang auf offener See treibend überlebt, insbesondere über Nacht, ist äußerst selten und macht die Rettung zu einem echten Wunder.
Am Samstagmorgen gegen 10:00 Uhr Ortszeit informierte der Kapitän der Odyssey of the Seas die Passagiere per Durchsage darüber, dass die Frau lebend aufgefunden worden war und medizinisch versorgt wurde.
Nach mehr als zwölfstündiger Suche nach der Passagierin zeigten die Positionsdaten auf VesselFinder, dass das Schiff das Suchgebiet verließ und mit einer Geschwindigkeit von rund 21 Knoten nach Westen steuerte, um seinen Kurs in Richtung Italien fortzusetzen. Der geplante Hafenaufenthalt in Neapel wurde jedoch gestrichen und durch einen Seetag ersetzt.
Während seitens des Kreuzfahrtschiffes umgehend eine Such- und Rettungsaktion eingeleitet und mit den Behörden zusammen gearbeitet wurde, unterstützte das Betreuungsteam an Bord die Angehörigen des Gastes in dieser schwierigen Zeit aktiv.
Die Odyssey of the Seas befindet sich derzeit auf einer siebentägigen Rundreise ab Civitavecchia bei Rom, die am 11. Oktober wieder dort endet. Nachdem die Passagierin gerettet wurde und in Griechenland medizinisch versorgt wird, setzte die Odyssey of the Seas ihre Fahrt direkt nach Civitavecchia fort, um die Reise wie geplant zu beenden.